In „Ein weites Feld“ (1995) führt der Stasiagent Hoftaller sein Lieblingsopfer ‚Fonty‘ nach Altdöbern (Lausitz) und zeigt ihm die riesenhafte Braunkohlegrube: „Ja, gucken Sie nur, Wuttke! Man sieht, wenn man genau hinguckt, nicht nur schwarzes Gold, ne Menge Zukunft sieht man. Man starrt in das Loch und ahnt, was sein wird, na, was kommt. Das, nur das bleibt von uns. Vom Produkt befreit, ganz und gar ausgemergelt und feingesiebt, ausgebeutet werden wir menschlicher Abraum sein, kleine und größere Kegel, die sich ein bißchen spiegeln dürfen, da, sehen Sie Wuttke, im Grundwasser, das kein Lüftchen kräuselt ganz unten, auch wenn es hier oben bläst. Und das bis zum Horizont: säuberlich aufgeschüttet, in Reihe gebracht. Sortierter Rest und Abraum der Geschichte. Ach, Wuttke, was hat man aus uns gemacht?“ (Grass 1995, S.512f.)
Fonty wendet sich ab. Er ist diesem Anblick, der Braunkohlegrube, nicht gewachsen: „War nie auf Misere abonniert. Konnte soviel seelenlose Häßlichkeit keine Minute länger ansehen. Nicht nur von Gott – das ginge ja noch –, von aller Schönheit verlassen, atmete mich die Leere an …“ (Grass 1995, S.514)
Man kann Habeck und Neubaur kaum einen Vorwurf machen. Sie agieren in einem Umfeld, in dem das Eigentum zu nichts verpflichtet. Im Gegenteil: es berechtigt den Eigentümer, völlig willkürlich damit umzugehen oder eben, wie RWE, einfach nur seinen Profit zu machen. Gleichgültig gegenüber dem, was ihm gehört; gleichgültig gegenüber denen, die fassungslos darauf hinschauen und ihre Zukunft sehen.
„Wenn schon eine ganze Welt, auf Erkenntnis beruhend und ihrer ständig bedürftig, errichtet ist und ihren Gang geht, wie die der modernen Technik, wird der nach dem Grund ihrer Möglichkeit und nach ihren Sicherheitsgarantien Fragende zum Sokrates der Vergeblichkeit.“ (Blumenberg, Höhlenausgänge, S.169)
„...letztlich ist der Mensch, als Folge oder Krönung der Evolution, nur in der Totalität der Erde begreifbar.“ (Leroi-Gourhan, Hand und Wort, S.22)
Freitag, 13. Januar 2023
Donnerstag, 12. Januar 2023
Abschaffung eines Gruppenrechts
Die Religionsfreiheit geht immer auf Kosten der Meinungsfreiheit und des Rechts auf freie Persönlichkeitsentfaltung. Deshalb gehört sie abgeschafft.
Es darf keine Güterabwägung geben zwischen den genannten beiden Individualrechten und der Freiheit, seine Religion zu leben. Wenn sich eine Religion nicht mit ihnen verträgt, hat sie keinen Anspruch auf staatlichen Schutz.
Es darf keine Güterabwägung geben zwischen den genannten beiden Individualrechten und der Freiheit, seine Religion zu leben. Wenn sich eine Religion nicht mit ihnen verträgt, hat sie keinen Anspruch auf staatlichen Schutz.
Samstag, 7. Januar 2023
Ich=Du-Universalismus
Solidarität und Gesellschaft müssen neu gedacht werden. Sie müssen vom Individuum her gedacht werden. Das individuelle Gewissen ist die Quelle der Moral. Individuelle Beziehungen sind die Lebensadern der Gesellschaft; social media ist ihr Tod.
Deshalb ist das Individuum in Beziehung, für die die Formel Ich=Du gilt, die Quelle der Solidarität. Die Anerkennung des Du richtet sich nicht auf die Gruppe, für die die Formel Wir≠Ihr gilt, sondern auf den anderen Menschen, dem wir begegnen. Diese Begegnung bildet eine auf Zweiheit basierende Sozialform und schließt gerade deshalb niemand aus; denn die Begegnung geschieht jenseits der Gruppe.
Das heißt nicht, daß uns das Du, der andere Mensch, der ist wie Ich, nicht auch innerhalb der Gruppe begegnen kann. Aber er kann uns innerhalb der Gruppe nur jenseits der Gruppe begegnen, also jenseits des Wir≠Ihr.
Die Solidarität, die sich aus der Begegnung speist, transzendiert die Gruppe, was wiederum bedeutet, daß sie die Gruppe humanisiert. So entsteht auch die Idee der Menschheit nicht aus einer Ausdehnung der Gruppe auf alle Menschen, weil das die Formel Wir≠Ihr nicht aufhebt, sondern aus der Begegnung, die auf Ich=Du basiert. Es kann nämlich durchaus dazu kommen, daß, auch wenn es außerhalb der universellen Gruppe keine anderen Gruppen-Wirs mehr gibt, im Dienste des Gruppen-Wir innerhalb der universellen Gruppe exkludiert wird. Oder es werden die Tiere exkludiert, weil sie keine Menschen sind. So bleibt es beim Wir≠Ihr.
Ich=Du ist der wahre Universalismus.
Deshalb ist das Individuum in Beziehung, für die die Formel Ich=Du gilt, die Quelle der Solidarität. Die Anerkennung des Du richtet sich nicht auf die Gruppe, für die die Formel Wir≠Ihr gilt, sondern auf den anderen Menschen, dem wir begegnen. Diese Begegnung bildet eine auf Zweiheit basierende Sozialform und schließt gerade deshalb niemand aus; denn die Begegnung geschieht jenseits der Gruppe.
Das heißt nicht, daß uns das Du, der andere Mensch, der ist wie Ich, nicht auch innerhalb der Gruppe begegnen kann. Aber er kann uns innerhalb der Gruppe nur jenseits der Gruppe begegnen, also jenseits des Wir≠Ihr.
Die Solidarität, die sich aus der Begegnung speist, transzendiert die Gruppe, was wiederum bedeutet, daß sie die Gruppe humanisiert. So entsteht auch die Idee der Menschheit nicht aus einer Ausdehnung der Gruppe auf alle Menschen, weil das die Formel Wir≠Ihr nicht aufhebt, sondern aus der Begegnung, die auf Ich=Du basiert. Es kann nämlich durchaus dazu kommen, daß, auch wenn es außerhalb der universellen Gruppe keine anderen Gruppen-Wirs mehr gibt, im Dienste des Gruppen-Wir innerhalb der universellen Gruppe exkludiert wird. Oder es werden die Tiere exkludiert, weil sie keine Menschen sind. So bleibt es beim Wir≠Ihr.
Ich=Du ist der wahre Universalismus.
Freitag, 6. Januar 2023
Blasendenker
Bei aller Distanz zu den Querdenkern – am schlimmsten finde ich nicht deren abstruse Meinungen, denn diese sind subjektiv und frei, sondern die Beanspruchung des Wortes ‚Querdenker‘ – habe ich den Eindruck, daß neben den vielen berechtigten Motiven, die von ihnen praktizierte Querdenkerei zu verurteilen, auch ein gewisses Ressentiment der Zivilgesellschaft, jedenfalls derjenigen, die sich mit ihr identifizieren, eine Rolle spielt. Sich nicht mit den Tendenzen einer sich möglicherweise in die falsche Richtung entwickelnden Gesellschaft einverstanden zu erklären – wie begründet oder unbegründet die Ablehnung auch immer daherkommt –, stört das Wohlbefinden in dieser Gesellschaft und weckt und vergrößert die Ängste, die mit den gesellschaftlichen Entwicklungen einhergehen. Es ist allemal gleichermaßen befriedigender wie beruhigender, das, was sowieso geschieht, nachzuvollziehen.
Die ‚Querdenker‘, die also, die sich so nennen und von einer Zivilgesellschaft, die mit wirklichem Querdenken nichts anzufangen weiß, als solche anerkannt und abgelehnt werden, sind nichts anderes als Blasendenker; also social-media-Agenten.
Die ‚Querdenker‘, die also, die sich so nennen und von einer Zivilgesellschaft, die mit wirklichem Querdenken nichts anzufangen weiß, als solche anerkannt und abgelehnt werden, sind nichts anderes als Blasendenker; also social-media-Agenten.
Sonntag, 1. Januar 2023
Was fest steht
Und wieder kommt ein neues Jahr,
das nicht so wird wie das, was war,
doch auch mit seiner kurzen Frist
bald wieder überwunden ist.
Die lineare Zeit will es,
daß niemand je entgeht dem Streß,
so daß, was sich nicht ändern läßt,
der Wandel ist; und das steht fest!
Doch fest steht auch, ob jung, ob alt,
das Ende kommt stets allzu bald.
Kein Zyklus formt sich mehr zum Kreis,
der endend sich im Anfang weiß.
das nicht so wird wie das, was war,
doch auch mit seiner kurzen Frist
bald wieder überwunden ist.
Die lineare Zeit will es,
daß niemand je entgeht dem Streß,
so daß, was sich nicht ändern läßt,
der Wandel ist; und das steht fest!
Doch fest steht auch, ob jung, ob alt,
das Ende kommt stets allzu bald.
Kein Zyklus formt sich mehr zum Kreis,
der endend sich im Anfang weiß.
Samstag, 31. Dezember 2022
17:22
Hörgeräte bzw. mein Verzicht darauf werden für mich inzwischen zu einer Chriffre für meine Abwendung von den Gruppenmenschen, die sich nur in der Gruppe fühlen können. Es ist 17:22 und schon beginnen die ersten Sylvesterknallereien. Mal näher, mal ferner platzen Böller. So geht das jetzt bis Mitternacht und darüber hinaus.
Ich lese zum entspannenden Ausklang des Tages im ersten Band vom Herrn der Ringe, und ich schrecke immer wieder hoch, weil es knallt. Weil es den Menschen seit dem 24. Februar noch nicht genug geknallt hat in Europa. Weil sie unbedingt auch noch selbst ein wenig Krieg spielen wollen.
Ich höre schlecht, stopfe mir aber trotzdem noch zusätzlich Watte in die Ohren. Und ich fühle mich darin bestätigt, daß ich keine Hörgeräte brauche. Das, was ich zu hören bekomme, lohnt den technischen Aufwand nicht.
Ich lese zum entspannenden Ausklang des Tages im ersten Band vom Herrn der Ringe, und ich schrecke immer wieder hoch, weil es knallt. Weil es den Menschen seit dem 24. Februar noch nicht genug geknallt hat in Europa. Weil sie unbedingt auch noch selbst ein wenig Krieg spielen wollen.
Ich höre schlecht, stopfe mir aber trotzdem noch zusätzlich Watte in die Ohren. Und ich fühle mich darin bestätigt, daß ich keine Hörgeräte brauche. Das, was ich zu hören bekomme, lohnt den technischen Aufwand nicht.
Freitag, 30. Dezember 2022
Viel Medienrummel um einen Emeritus
Was ist mit den Berggorillas?
In Uganda, im Regenwald, dort wo noch ein paar letzte Berggorillas leben, will eine britische Ölfirma eine Pipeline bauen. Wo die Berggorillas leben, gibt es Öl. Habe ich gerade gehört bei Lanz & Precht. Lanz fragt selbstkritisch zum Jahresende, ob die Medien eigentlich noch ihren Job machen?
Mir fällt dazu ein, was für ein Hype gerade um Ex-Papst Benedikt läuft. Ein alter Mann stirbt. Seine Zeit ist abgelaufen. Im DLF höre ich, die ganze Welt bete für ihn. Wow! Was für eine Maximalaussage. Gibt es tatsächlich niemanden, der nicht für ihn betet?
Das ist so die Ranglistenskala, was den Informationswert von Nachrichten betrifft.
Vernichtung von ein paar Berggorillas für Öl? Kein Problem. Ihre Zeit ist abgelaufen, und keiner merkt es.
Ihre Zeit ist abgelaufen, weil es keiner merkt. Fehlende Medienpräsenz, fehlendes Interesse.
PS (31.12.2023): Jetzt ist er tot und folglich selig, glaube ich. Um den, wie er es nannte, ‚Schmutz‘ in seiner sauberen Kirche muß er sich jetzt nicht mehr kümmern.
In Uganda, im Regenwald, dort wo noch ein paar letzte Berggorillas leben, will eine britische Ölfirma eine Pipeline bauen. Wo die Berggorillas leben, gibt es Öl. Habe ich gerade gehört bei Lanz & Precht. Lanz fragt selbstkritisch zum Jahresende, ob die Medien eigentlich noch ihren Job machen?
Mir fällt dazu ein, was für ein Hype gerade um Ex-Papst Benedikt läuft. Ein alter Mann stirbt. Seine Zeit ist abgelaufen. Im DLF höre ich, die ganze Welt bete für ihn. Wow! Was für eine Maximalaussage. Gibt es tatsächlich niemanden, der nicht für ihn betet?
Das ist so die Ranglistenskala, was den Informationswert von Nachrichten betrifft.
Vernichtung von ein paar Berggorillas für Öl? Kein Problem. Ihre Zeit ist abgelaufen, und keiner merkt es.
Ihre Zeit ist abgelaufen, weil es keiner merkt. Fehlende Medienpräsenz, fehlendes Interesse.
PS (31.12.2023): Jetzt ist er tot und folglich selig, glaube ich. Um den, wie er es nannte, ‚Schmutz‘ in seiner sauberen Kirche muß er sich jetzt nicht mehr kümmern.
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