„...letztlich ist der Mensch, als Folge oder Krönung der Evolution, nur in der Totalität der Erde begreifbar.“ (Leroi-Gourhan, Hand und Wort, S.22)

Donnerstag, 9. April 2026

Hegel und ich

G.W.F. Hegel, Wissenschaft der Logik. Hauptwerke in sechs Bänden, 3.Bd. (1999): Die Lehre vom Sein (1832) / Die Lehre vom Wesen (1813)
(In „Die Lehre vom Wesen“ verändern die Herausgeber die Seitenzählung und stellen den Seitenzahlen eine Raute (#) voran.)

  1. Meine Probleme mit Hegel
  2. Setzen statt Geben: der Satz vom Sein
  3. Logik und Ethik
  4. dialektischer Fehlschluß
  5. zur mythischen Struktur in der Hegelschen Logik
  6. Identität und Verschiedenheit
  7. Hegel und Kant
  8. Hegel und Husserl
  9. Hegel und Nishitani
  10. Hegel und Adorno
Hegels Definition der Zahl erinnert mich an Nishitanis „Leere“ (meine Blogposts vom 12.04 bis 20.04.2024), in der sich Alles ‚sammelt‛. Hegel: „(Die Anzahl) ent­hält die vielen Eins, die ihr Daseyn ausmachen ... die von ihr umschlossenen Eins sind eine bestimmte Menge, ‒ die Anzahl, zu welcher als der Discretion, wie sie in der Zahl ist, das andere die Einheit, die Continuität, derselben ist.“ (Vgl. Hegel 1999, S.194)

Ich verstehe das so, daß die Zahlen eine Menge bilden, die aus einer bestimmten Anzahl von Einsen bzw. von identischen Dingen besteht. Weiter heißt es bei Hegel: „So stellt man im Quantitativen der Zahl, etwa Hundert, so vor, daß das hundertste Eins allein die Vielen so begrenze, daß sie Hundert seyen. Einerseits ist diß richtig; andererseits aber hat unter den hundert Eins keines einen Vorzug, da sie nur gleich sind; jedes ist ebenso das Hundertste; sie gehören also alle der Grenze an, wodurch die Zahl Hundert ist(.)“ (Hegel 1999, S. 195)

Indem Hegel einer bestimmten Eins in einer Menge von Hundert die Besonderheit abspricht, die Hundertste zu sein, löst er die arithmetische Reihe von Eins bis Hundert, in der jede Eins ihren bestimmten Ort hat, auf. Alle sind Hundert, ohne Ansehen ihrer arithmetischen Disposition. Das erinnert an Nishitanis unsichtbare Kreislinie, die eine unbegrenzte Menge von Zentren ‚begrenzt‛ bzw. umfaßt, eine offene Menge, in der sich Alles sammelt und zugleich Jedes das Zentrum bildet. In diesem alles umfassenden Kreis bzw. in dieser ‚Leere‛, wie Nishitani den Kreis ohne Kreislinie nennt, ist jedes einzelne Eins das den Kreis definierende Zentrum, so wie bei Hegel jede einzelne Eins zugleich Hundert ist. Nishitani hat also die arithmetische Reihe, die Hegel in der Anzahl bzw. Menge aufgehoben sieht, in eine unsichtbare Kreislinie umgebogen.

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