„...letztlich ist der Mensch, als Folge oder Krönung der Evolution, nur in der Totalität der Erde begreifbar.“ (Leroi-Gourhan, Hand und Wort, S.22)

Freitag, 10. April 2026

Hegel und ich

G.W.F. Hegel, Wissenschaft der Logik. Hauptwerke in sechs Bänden, 3.Bd. (1999): Die Lehre vom Sein (1832) / Die Lehre vom Wesen (1813)
(In „Die Lehre vom Wesen“ verändern die Herausgeber die Seitenzählung und stellen den Seitenzahlen eine Raute (#) voran.)

  1. Meine Probleme mit Hegel
  2. Setzen statt Geben: der Satz vom Sein
  3. Logik und Ethik
  4. dialektischer Fehlschluß
  5. zur mythischen Struktur in der Hegelschen Logik
  6. Identität und Verschiedenheit
  7. Hegel und Kant
  8. Hegel und Husserl
  9. Hegel und Nishitani
  10. Hegel und Adorno
Hegel stellt das „schlecht Unendliche“ als eine Feedbackschleife dar, als „ein Wiederholen von einem und eben demselben, Setzen, Aufheben und Wiedersetzen und Wiederaufheben“. (Vgl. Hegel 1999, S.222)

Vor diesem Hintergrund kritisiert Hegel Kants Begriff des Erhabenen, weil er, also Kant, in den Sternen ein unendlich Großes sehe (vgl. Hegel 1999, S.223), das tatsächlich aber nur ein schlecht Unendliches sei, eine „Verbindung mit Sternen über Sternen, mit Welten über Welten, Systemen über Systemen“ (vgl. ebenda). Aber alles dies ist ja nur deshalb immer wieder dasselbe, weil Hegel es so definiert: nämlich als Quantum bzw. als Anzahl (Menge).

Das wiederum kritisiert Adorno mit dem Begriff des Nicht-Identischen. Das Nicht-Identische ist das Gegenteil von ‚Eins‛. Es läßt sich weder einer Menge hinzufügen noch einer arithmetischen Reihe einfügen. Das Nicht-Identische ist wie ein Stern in Kants andächtiger Ergriffenheit. Die Unendlichkeit der Sterne besteht in ihrer Nicht-Verfügbarkeit; in dem jedem Zugriff entzogen Sein. Und in diesem Sinne ist das Nicht-Identische auch unendlich vielfältig, eben „Sterne über Sterne“ und „Welten über Welten“. Das ist nicht etwa bloß ‚schlecht‛ unendlich, sondern die wahre Unendlichkeit.

Wenn Hegel hier von der „Langeweile der Wiederholung“ spricht (vgl. Hegel 1999, S.223), urteilt er nicht nur über das schlecht Unendliche, sondern auch über seine eigene Methode. Denn in all den spekulativ-dialektischen Wiederholungen bildet die Zahlenreihe nur eine unter vielen anderen sich wiederholenden Setzungen und Auf­hebungen.

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