Ich habe Respekt vor Grass:
schon als Schüler las ich Katz und Maus,
bemalte das Titelbild mit Kugelschreiber,
formulierte ‚Grass‘ um in ‚Grasshalm‘!
Ich habe Respekt vor Grass:
stets bewunderte ich seine politische Standfestigkeit
und daß er sich das Denken nicht verbieten ließ.
In allem, was er sagte und schrieb,
blieb er wiedererkennbar!
Ich habe Respekt vor Grass:
ob Schmidt oder Kohl oder Schröder regierte –
Grass sagte, was sie nicht hören wollten.
Wo andere sich still und heimlich verabschiedeten –
Grass blieb!
Sogar als die Mauer fiel
und man wieder ein Volk sein wollte,
blieb Grass sich treu
und ich ihm ...
auf Hiddensee im Hauptmann-Haus signierte er mir einen Gedichtband,
den ich dann verschenkte.
Ich habe Respekt vor Grass:
Schon immer wußte ich um seine ‚Vergangenheit‘,
weil er selbst nicht müde wurde,
sich ihrer zu schämen.
Als die Medien über ihn herfielen
– im Alter, weil er sie angeblich verschwiegen hatte –
war ich überrascht!
Wer ihm zugehört hatte,
wer ihn gelesen hatte,
hatte es längst schon wissen können;
aber dazu braucht man Respekt ...
Keinen Respekt habe ich:
vor den ‚jungen‘, aalglatten Moderatoren
und Kommentatoren,
ihrer überheblichen Vergangenheitslosigkeit,
denen die Gewißheit aus den gepuderten Poren schwitzt,
das bessere Deutschland
und dessen Mehrheit
zu repräsentieren.
Das bessere Deutschland – das bessere Volk,
Herr Außenminister?
Respekt!
Respekt für Grass!
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