„Wenn schon eine ganze Welt, auf Erkenntnis beruhend und ihrer ständig bedürftig, errichtet ist und ihren Gang geht, wie die der modernen Technik, wird der nach dem Grund ihrer Möglichkeit und nach ihren Sicherheitsgarantien Fragende zum Sokrates der Vergeblichkeit.“ (Blumenberg, Höhlenausgänge, S.169)
„...letztlich ist der Mensch, als Folge oder Krönung der Evolution, nur in der Totalität der Erde begreifbar.“ (Leroi-Gourhan, Hand und Wort, S.22)
Samstag, 31. August 2024
Nicht-Volk
Zu jedem Nicht-Ort gehört ein Nicht-Volk.
Die Bundesrepublik Deutschland ist so ein Nicht-Ort, und sie hat ein Grundgesetz, zu dem das Volk, für das es gilt, erst noch gefunden werden muß.
Mittwoch, 7. August 2024
Leere Mengen
Ludwig Wittgenstein hat sich mal als Dorfschullehrer versucht. Intellektueller, der er war, versuchte er, seinen Schülerinnen und Schülern die Zahlenreihe von Null bis Neun beizubringen. Was sich natürlich als kompletter Reinfall erwies. Bei einem Schüler, der einfach nicht kapieren wollte, daß die Zahlenreihe mit einer Ziffer beginnt, die gar nichts zählt bzw. die ,zählt‛, was nicht vorhanden ist, verlor Wittgenstein die Fassung und schlug ihn so hart, daß der Schüler das Bewußtsein verlor. Danach quittierte Wittgenstein vernünftigerweise den Dienst.
Auch ich kann bis heute nicht nachvollziehen, warum die Zahlenreihe mit Null beginnen sollte. Was passiert denn da mit der 10?
0, 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9 (10?)
(10?), 11, 12, 13, 14, 15, 16, 17, 18, 19 (20?)
usw.?
Haben wir also mit der Zehn jetzt elf Ziffern, von denen eine nichts zählt? Und: positionieren wir die Zwanzig, Dreißig ... ans Ende der Zahlenreihe oder an den Anfang?
Die Null zeigt nichts an, es sei denn, wir formulieren es so, daß sie kein Element einer Menge ,anzeigt‛, sondern eine Funktion; z.B. die Möglichkeit, eine natürliche Ziffer von Eins bis Neun in Zehnerschritten zu potenzieren. Oder sie hat die Funktion, auf die Möglichkeit einer Subtraktion hinzuweisen, also daß da etwas gewesen war oder nicht mehr sein wird. Oder die Funktion, auf die Möglichkeit einer Addition hinzuweisen, also daß da etwas noch nicht oder woanders als hier ist. Aber das sind nur Funktionen. Etwas zu zählen, das weder war noch ist noch sein wird, also das Nichts ist, ist schlichtweg überflüssig. Die Null ist also keine Zahl.
Im Grunde ist eine solche Null, also eine Null, die das blanke Nichts anzeigt, nicht mal eine Funktion, sondern eine Metapher. Und zwar eine Metapher, die besonders gut zu einer bestimmten Wirtschaftsform paßt. Welche Wirtschaftsform beginnt mit einem Nichts? ‒ Der Finanzkapitalismus: nämlich mit einer creatio ex nihilo der Wertschöpfung, der wundersamen Geldvermehrung unter Umgehung der Güterproduktion. Die Null ist also eine Metapher für die kapitalistische Wertschöpfung. Letztlich ist Geldvermehrung auch nichts anderes als eine periodisch sich wiederholende Ansammlung von Nullen vor dem Komma.
Mathematiker behelfen sich mit einer paradoxen Formulierung: sie behaupten, die Null zeige eine „leere Menge“ an. Aber das heißt auch nichts anderes als daß sie nichts anzeigt. Auch diese leere Menge ist in meinen Augen nur eine Metapher. Sie steht für all die individuellen Elemente (einschließlich die Menschen!), die wir einer Menge zuordnen (die sich einer Menge anschließen) und dabei ihre Individualität verlieren. In diesem Sinne sind alle Mengen leer. Alles ist nur noch eins, also ohne eigene Identität und deshalb nichts, also null.
Auch ich kann bis heute nicht nachvollziehen, warum die Zahlenreihe mit Null beginnen sollte. Was passiert denn da mit der 10?
0, 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9 (10?)
(10?), 11, 12, 13, 14, 15, 16, 17, 18, 19 (20?)
usw.?
Haben wir also mit der Zehn jetzt elf Ziffern, von denen eine nichts zählt? Und: positionieren wir die Zwanzig, Dreißig ... ans Ende der Zahlenreihe oder an den Anfang?
Die Null zeigt nichts an, es sei denn, wir formulieren es so, daß sie kein Element einer Menge ,anzeigt‛, sondern eine Funktion; z.B. die Möglichkeit, eine natürliche Ziffer von Eins bis Neun in Zehnerschritten zu potenzieren. Oder sie hat die Funktion, auf die Möglichkeit einer Subtraktion hinzuweisen, also daß da etwas gewesen war oder nicht mehr sein wird. Oder die Funktion, auf die Möglichkeit einer Addition hinzuweisen, also daß da etwas noch nicht oder woanders als hier ist. Aber das sind nur Funktionen. Etwas zu zählen, das weder war noch ist noch sein wird, also das Nichts ist, ist schlichtweg überflüssig. Die Null ist also keine Zahl.
Im Grunde ist eine solche Null, also eine Null, die das blanke Nichts anzeigt, nicht mal eine Funktion, sondern eine Metapher. Und zwar eine Metapher, die besonders gut zu einer bestimmten Wirtschaftsform paßt. Welche Wirtschaftsform beginnt mit einem Nichts? ‒ Der Finanzkapitalismus: nämlich mit einer creatio ex nihilo der Wertschöpfung, der wundersamen Geldvermehrung unter Umgehung der Güterproduktion. Die Null ist also eine Metapher für die kapitalistische Wertschöpfung. Letztlich ist Geldvermehrung auch nichts anderes als eine periodisch sich wiederholende Ansammlung von Nullen vor dem Komma.
Mathematiker behelfen sich mit einer paradoxen Formulierung: sie behaupten, die Null zeige eine „leere Menge“ an. Aber das heißt auch nichts anderes als daß sie nichts anzeigt. Auch diese leere Menge ist in meinen Augen nur eine Metapher. Sie steht für all die individuellen Elemente (einschließlich die Menschen!), die wir einer Menge zuordnen (die sich einer Menge anschließen) und dabei ihre Individualität verlieren. In diesem Sinne sind alle Mengen leer. Alles ist nur noch eins, also ohne eigene Identität und deshalb nichts, also null.
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