Mittwoch, 17. Juni 2015

Das Geld ist keine Ware

Das Geld ist keine Ware, die gegen eine andere Ware getauscht wird. Waren, die ich gegen andere Waren tausche, sind immer noch Gebrauchsgegenstände. Es findet keine Wertübertragung vom einen auf den anderen Gebrauchsgegenstand statt. Sie behalten beim Tausch ihren eigenen Wert und nehmen ihn in das neue Besitzverhältnis mit.

Tausche ich hingegen Geld gegen eine Ware, so berechnet es Engster zufolge den Wert dieser Ware, und dieser berechnete Wert geht in den Geldschein ein und kehrt so über den Geldschein zum vormaligen Besitzer der Ware zurück. Die Ware geht in die Richtung des Käufers, ihr berechneter Wert in die Richtung des Verkäufers. Der Wert wechselt also gar nicht; er bleibt vielmehr beim Verkäufer. Im Grunde funktioniert das Geld wie ein Filter, der nur für die Ware in Richtung des Käufers durchlässig ist, aber ihren Wert aus ihr herausfiltert und in den Händen des Verkäufers zurückbehält.

Der Geldschein für sich bleibt ohne diesen ‚Warentausch‘ wertlos. Er hat keinen eigenen Gebrauchswert. Paradox ist deshalb, daß hier in der klassischen Ökonomie immer noch von einem Warentausch die Rede ist. Stattdessen haben wir es eher mit einem Diffusionsprozeß zu tun. Die Ware diffundiert dorthin, wo ‚nichts‘ ist. Denn daß die Ware die Bedürfnisse des Kunden befriedigt, ist nur ein schlechter Witz der sogenannten Marktwirtschaft. Der Zweck der Ware besteht nicht darin, Bedürfnisse von irgendwelchen Kunden zu befriedigen. Tatsächlich befriedigt die Ware nur das Bedürfnis des Geldes, sich mit Wert aufzuladen.

Die Ware geht also dorthin, wo ‚nichts‘ ist. Dieses Nichts wird durch den Geldschein symbolisiert. Im Durchgang durch das Nichts des Geldscheins tränkt die Ware diesen Geldschein mit Wert. Bis zum nächsten Filtervorgang.

Bei reinen Geldgeschäften, in denen das Geld selbst als Ware behandelt wird, werden keine Werte übertragen oder herausgefiltert. Sie sind wertlos.

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