„...letztlich ist der Mensch, als Folge oder Krönung der Evolution, nur in der Totalität der Erde begreifbar.“ (Leroi-Gourhan, Hand und Wort, S.22)

Samstag, 9. Mai 2015

Maxwell R. Bennett/Peter M.S. Hacker, Die philosophischen Grundlagen der Neurowissenschaften, Darmstadt 3/2015 (2003)

(Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 585 Seiten mit einem Vorwort von Annemarie Gethmann-Siefert, brosch., 49,90 €)

1. Zusammenfassung
2. Fachsprachliche und nichtfachsprachliche Begriffe
3. Denken und Sprechen
4. Phänomenologie und Sprachanalytik
5. Bindungsproblem (Gestaltwahrnehmung)
6. Innen-Außen-Differenz als Kryptokartesianismus
7. Qualia, Seele und das Arrangieren von Dingen
8. Gibt es Willensakte?
9. sprachanalytischer Reduktionismus

Als Qualia werden traditionell Qualitäten von Wahrnehmungsempfindungen bezeichnet, die keine Eigenschaften des Objekts sind: „Jede ‚bewusste Erfahrung‘ oder jeden ‚bewussten Geisteszustand‘ charakterisiert ein Anfühlungswie, sodass sie zu haben bzw. in ihm zu sein für das Subjekt so und so ist. Bei diesem Anfühlungssoundso handelt es sich um ein Quale – eine ‚Gefühlsqualität‘.“ (Bennett/Hacker 3/2015, S.370)

So gilt z.B. die Farbempfindung als eine subjektive Zutat, die mit dem betreffenden Objekt nichts zu tun hat. Bennett/Hacker bezeichnen diesen „Qualitätsbegriff“ als „abwegig“. (Vgl. Bennett/Hacker 3/2015, S.366) Es gibt, so Bennett/Hacker, keine „Rotempfindung“, die man ‚sehen‘ oder ‚haben‘ könnte. (Vgl. Bennett/Hacker 3/2015, S.175) Farben sind vielmehr objektive Eigenschaften der Gegenstände selbst, die das Licht auf spezifische Weise reflektieren.

Bennett/Hacker zufolge trägt der Qualia-Begriff zu einer unzulässigen „Erweiterung des Bewusstseinsbegriffs“ bei (vgl. Bennett/Hacker 3/2015, S.366), denn Qualia verweisen auf eine „innere() psychische Realität“ (Bennett/Hacker 3/2015, S.352), die es aber so nicht gibt. Farbwahrnehmungen sind demnach nichts besonderes und schon gar nichts individuelles, das man nicht mit anderen teilen kann. Vielmehr brauche man, um seine Farbwahrnehmung, etwa ‚rot‘, zu verdeutlichen, nur auf einen roten Farbklecks oder einen roten Apfel zu zeigen, um problemlos allseitiges Einvernehmen herzustellen. (Vgl. Bennett/Hacker 3/2015, S.382f.)

Genauso verhält es sich Bennett/Hacker zufolge auch mit anderen Qualia, wie etwa Gerüchen. Hier reicht es schon aus, ein entsprechendes „Verbalverhalten“ an den Tag zu legen: „Wenn man also gefragt wird, wie es sich anfühle, Rosen zu riechen, und wie es sei, Flieder zu riechen, kann die Antwort durchaus identisch ausfallen und lauten: ‚Entzückend‘. Wenn diese Antwort festlegt, wie es sich anfühlte, dann ist es offensichtlich nicht wahr, dass jeder distinkten Erfahrung durch ihre unverwechselbare qualitative Eigentümlichkeit oder ihr Quale ein einzigartiges Profil verliehen werden kann.“ (Bennett/Hacker 3/2015, S.373)

Mit anderen Worten: Wo Dichter Verse schreiben und sich Metaphern ausdenken, um Gefühlseindrücke wiederzugeben, reicht es bei Bennett/Hacker schon aus, einfach „entzückend“ zu sagen, und schon weiß jeder, wie es ist, Flieder zu riechen. Und der Beweis dafür, daß wir dabei dasselbe empfinden, liegt schlicht und einfach darin, daß wir alle dasselbe Wort verwenden! Wenn also irgendjemand den Fliederduft ‚entzückend‘ findet, und ich ihn auch ‚entzückend‘ finde, empfinden wir beide dasselbe. – Da fragt man sich, wozu überhaupt noch Gedichte und Romane geschrieben werden?

An dieser groben Simplifizierung, deren sich Bennett/Hacker schuldig machen, wird deutlich, warum bei ihnen die expressive Dimension der Sprache keine Rolle spielt. Damit fällt ein ganzer Bereich des menschlichen Verhaltens weg, von dem Bennett/Hacker behaupten, daß es das Grundkriterium ihrer Sprachkritik bilde. Denn auch die Innenwelt zeigt sich durch ein spezifisches Verhalten auf der Grenze zwischen innen und außen. Plessner beschreibt dieses Verhalten als ‚Seele‘: als den Wunsch, sich gleichzeitig zu zeigen und sich zu verbergen. (Vgl. meinen Post vom 14.11.2010) Es ist genau dieses Verhalten auf der Grenze zwischen innen und außen, das der Grund dafür ist, daß das, was wir sagen, niemals mit dem, was wir meinen, zur Deckung kommen kann.

Aufgrund von Bennett/Hackers Trennung zwischen Empfindungen und Wahrnehmungen und aufgrund der semantischen Reduktion der Wortbedeutung auf das, was sich zeigen läßt, wird jede Wahrnehmung zu einer Banalität, über die wir uns eigentlich gar nicht mehr zu verständigen brauchen. Es reicht, mit dem Finger darauf zu zeigen: „Es ist nichts Besonderes dabei, diese banalen Gegenstände zu sehen. Einen Tisch zu sehen ist natürlich etwas anderes, als einen Stuhl, Pult, Teppich etc. zu sehen, aber der Unterschied hat nichts damit zu tun, dass es sich anders anfühlt, ein Pult zu sehen, als einen Stuhl zu sehen. Der Anblick eines einfachen Tisches oder Stuhls zieht unter normalen Umständen keine wie auch immer geartete emotionale Reaktion oder Haltung nach sich.“ (Bennett/Hacker 3/2015, S.373 S.371)

Bennett/Hacker gestehen zwar zu, daß es „eine andere Erfahrung“ sei, einen „Laternenpfahl“ zu sehen als einen „Briefkasten“. Das bedeute aber keineswegs, daß mit diesen verschiedenen Dingen auch verschiedene Gefühle verknüpft seien. (Vgl. Bennett/Hacker 3/2015, S.373 S.372) Das Arrangieren von Dingen in der Form eines Stillebens oder einer Collage (vgl. meinen Post vom 01.04.2015) hat also keinerlei Auswirkung auf unsere seelische Verfassung, denn die Dinge berühren uns innerlich nicht. Tatsächlich sind Laternenpfähle aber mit anderen Begleitempfindungen verbunden als Briefkästen. Laternenpfähle können das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit hervorrufen. Ein einsamer Laternenpfahl im Wald wie in den Chroniken von Narnia kann gleichzeitig fremdartig und vertraut wirken. In Revolutionszeiten können Laternenpfähle als Galgen mißbraucht werden und der bloße Anblick eines als Galgen in Betracht kommenden Laternenpfahls kann Angst und Schrecken verbreiten. Die Abwesenheit von Laternenpfählen in Tolkiens Fantasy-Welt beinhaltet seinen ausdrücklichen Protest an der Elektrifizierung unserer Städte im 20. Jhdt.

Briefkästen hingegen können mit Empfindungen von Neugier und Erwartung und sogar von Sehnsucht verbunden sein, und oft genug endet eine Briefkastenerfahrung mit einer Enttäuschung. Oder Briefkästen können Gefühle der Angst davor wecken, welche Mahnungen und eventuell Vorladungen sie enthalten mögen, so daß man sie gar nicht mehr öffnen will.

Wenn man hingegen meint, es reiche aus, um den Duft von Flieder zu beschreiben, „entzückend“ zu sagen, könnte man auch behaupten, daß das Sehen eines Licht spendenden Laternenpfahls in einer dunklen Nacht oder das Sehen eines Briefkastens, aus dessem Schlitz die vielversprechende Ecke einer lang erwarteten Briefsendung herauslugt, gleichermaßen ‚erfreulich‘ sei, so daß mit diesen verschiedenen Wahrnehmungen eben doch keine „andere Erfahrung“ verbunden, sondern eben alles eins wäre, wie bei dem von Bennett/Hacker angeführten gleichermaßen entzückenden Rosen- und Fliederduft.

Daran ändert auch Bennett/Hackers Zugeständnis an der tatsächlichen Verschiedenheit von Erfahrungen nichts: „Es kann gut sein, dass Sie ein Rembrandt-Gemälde, das ich genieße, ausdruckslos und langweilig finden. In diesem Sinn kann meine Erfahrung in qualitativer Hinsicht von der Ihren abweichen, auch wenn sie sich auf dasselbe Objekt beziehen und gleichermaßen klar erlebt werden. Es ist aber auch möglich, dass Sie es genauso interessant und schön finden.“ (Bennett/Hacker 3/2015, S.387)

Tatsächlich gibt es nämlich Bennett/Hacker zufolge kein Problem bei der wechselseitigen Verständigung über eine Erfahrung, wenn diese sich in ihrer Qualität zwischen zwei Erfahrungssubjekten unterscheidet und beim Betrachten eines Rembrandt-Gemäldes beim einen der Genuß und beim anderen die Langeweile vorherrscht. Bennett/Hacker bestreiten deshalb die „Nichtmitteilbarkeitsthese“ (Bennett/Hacker 3/2015, S.385) bzw. die „Unaussprechlichkeitsthese“ (Bennett/Hacker 3/2015, S.389), also die Differenz zwischen meinen und sagen. Wenn jemand glaubt, eine individuelle Erfahrung wie z.B. zum Aroma von Kaffee oder zum Rot einer Rose nicht mit den herkömmlichen sprachlichen Mitteln beschreiben zu können, heißt das nicht, so Bennett/Hacker, daß seine Empfindungen nicht mitteilbar wären, sondern daß er nach anderen Beschreibungsmöglichkeiten sucht: „Wir müssen uns jedoch klarmachen, dass eine derart insistierende Person keine rätselhafte Begrenzung unseres Beschreibungsvermögens enthüllt hat. Sie wendet sich lediglich gegen eine Konvention.“ (Bennett/Hacker 3/2015, S.390)

Das führt dann zu seltsamen Inkonsequenzen. So vertreten Bennett/Hacker immer wieder entschieden die Auffassung, daß es so etwas wie Synästhesien nicht gebe: „Das Auge und der Rest des visuellen, lichtempfindlichen Systems statten das Lebewesen mit dem visuellen Unterscheidungsvermögen aus. Es ist nicht möglich, Geräusche mit den Augen zu sehen.“ (Bennett/Hacker 3/2015, S.383f.)

Aber gerade die beispielhaften Beschreibungsformeln – „vollmundig, reich und röstfrisch“ für das Kaffeearoma und „dunkel und matt“ für das Rot der Rose –, die Bennett/Hacker dafür anführen, daß das Beschreibungsvermögen von Wahrnehmungsempfindungen – die es ihrer Ansicht nach ja ebenfalls nicht gibt – kein Problem der Nichtmitteilbarkeit, sondern lediglich eine Frage der Beschreibungskonvention seien, enthalten solche von ihnen ebenfalls geleugnete Synästhesien. Denn mit der Mattheit des Rots wird ein sensorisch völlig andersartig ausgestatteter körperlicher Zustand herangezogen, um die durch Lichtreize auf der Retina ermöglichte Rotempfindung, die man zudem sowieso nicht ‚haben‘ kann, zu charakterisieren.

Auch sonst haben wir es bei diesen Beschreibungsformeln zum großen Teil mit Metaphern zu tun, was von Bennett/Hacker nicht weiter thematisiert wird. Dabei wäre es für den Leser sicher nicht uninteressant, zu erfahren, worin genau der Zeigevorgang besteht, der der ‚Vollmundigkeit‘ und dem ‚Reichtum‘ des Kaffeearomas Bedeutung verleiht. Denn so intensiv wir auch auf unseren Mund oder auf einen Sack Geld zu deuten versuchen: nichts in diesem Zeigevorgang könnte irgendjemanden dazu veranlassen, zu vermuten, daß es uns dabei um das Kaffeearoma geht.
PS (12.05.2015): Ein Zeigevorgang ist immer gradlinig und direkt. Um auf eine Metapher zu ‚zeigen‘, müßte man schon um die Ecke zeigen können, sozusagen von hinten durch die Brust ins Auge.
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Kommentare:


  1. Der Neurophysiologe meint felsenfest, das die "Verarbeitung der Wahrnehmung" rein erfolgt und die Qualia sekundäre Zusätze seien. Das wäre allerdings noch zu beweisen. Eine schöne Aufgabe für die Neurophysiologie.

    Bennet und/oder Hacker nehmen das noch zu beweisende vorweg, da denke ich schon an die "Betroffenen - Denke".

    Meine spontane und vorläufige Idee: Die Qualia strukturieren spontan das Wahrgenommene, wobei vieles unbewußt erfolgt. Vielleicht haben die Qualia auch etwas mit der "Dingwahrnehmung" zu tun, da diese äußerst reichhaltig ist.

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  2. Deine spontane Idee entspricht dem, Was Damasion denkt: Gefühle markieren unsere Erfahrungen, sie geben ihnen einen Index, so daß wir bei künftigen Gelegenheiten schneller auf das, was wir dazu schon wissen, zurückgreifen können. Damasio nennt das "somatische Marker".

    Ich denke schon, daß die Qualia zur Dingwahrnehmung gehören. Eine Dingwahrnehmung ohne Anfühlungswie (Qualia) können eigentliche nur Zombis haben.

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  3. Diese Qualia irritieren mich immer noch.. und je länger ich dieses Thema sacken lasse, desto mehr bewege ich mich in Richtung Dennett's Positionen, die ich eigentlich ablehnte: Ist da nicht der Wunsch, eine imaginären Schutzwall zu errichten gegen das Zombiebewusstsein der Maschine, eine Auszeichnung die unsere Art des Bewusstseins von vornherein immunisiert und über jede "künstlich", algorithmisch erzeugte Form heben würde. Der rhetorische Popanz, der da aufgefahren wurde und die sprachlichen Verrenkungen, die nötig sind, um dieses "das-als-was-es-sich-anfühlt-so-zu-sein" irgendwie zu fassen, machen mich doch immer skeptischer, dass es sich hier doch vielleicht um eine unzulässige Verdinglichung eines Teils unserer geistigen Erlebnisse handeln könnte. (Warum konzentriert man sich dabei eigentlich auch immer auf Prädikate? Mir fällt z.B. immer wieder auf, wie sehr Gestik, Mimik und Intonation das Verstehen des gesprochenen Wortes erleichtern - manchmal können diese Begleiterscheinungen sogar der eigentliche Sinnträger sein! Ich meine, wann kommen wir einmal weg von den Dingen zu den Prozessen, so á la Whitehead. Wenn ist eine Qualia ja eine Eigenschaft, ein Begleitumstand des Denkprozesses selbst. (In den Computerwissenschaften kommen wir wohl auch nicht ganz so weg da von - nach so vielen Jahrzehnten objektorientierter Indoktrination leben viele in einem Kingdom of Nouns - nur Objekte und Dinge.. und für Prozesse nur hässliches UML - dafür dürft ihr Philosophen euch jetzt mit Zombies und Fledermäusen rumschlagen, hehe)

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    1. Mir geht es tatsächlich so wie Dir, nur eben von der anderen Seite her: von der des ‚Philosophen‘. Auch ich habe den Eindruck, daß diese ganze Qualia-Geschichte über irgendetwas anderes hinwegzutäuschen versucht. Außerdem bin ich auch der Meinung, daß es immer auf das Verhalten ankommt. Wir leben in einer ungeteilten Welt, und diese erschließen wir uns durch unser Verhalten. Allerdings gehört dazu auch das seelische Verhalten, das noli-me-tangere, also der Blickrichtungswechsel von ‚innen‘ nach ‚außen‘ und von ‚außen‘ nach ‚innen‘.
      Die Schadenfreude gönne ich Dir.

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  4. In diesem Zusammenhang kam ich auf die Idee, daß das Leben selber schon eine Qualia auf einen ansonsten toten Planeten ist. Und auf diesem Hintergrund lassen sich die Fragen anders stellen, ohne einen sprachlichen Schutzwall - Eindruck zu hinterlassen.

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    1. Ich verstehe, was Du meinst. Aber ich würde es trotzdem vorziehen, statt von einem insgesamt toten Planeten von einem insgesamt lebendigen Planeten zu sprechen.

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    2. Mir kam die Gaia-Hypthese auf poetisch-pantheistische Weise attraktiv vor.

      Vielleicht geht das in eine Richtung Vitalismus, was Georg vorschlägt? Das Leben als eine schöpferische, beseelende Kraft, innere Flamme, göttlicher Odem - ein kleines, grünes Pflänzchen im wüsten, leeren Universum? Dem könnte ich durchaus ein paar Schritte folgen - wie in Teilen der Phänomenologie beschreiben wir damit doch ein gegebenes Faktum: die überbordende Formvielfalt der organischen Lebenswelt - den Eigensinn eines Lebewesen, solange eben das Leben in diesem wohnt. (Aber; wir sind natürlich gleich wieder in gewissen Metapherfeldern, wie oben angedeutet? - Mich würde da interessieren, wie sich Vitalismus und Strukturalismus vielleicht vereinen ließen..)

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    3. Strukturalismus und Vitalismus kann man schlecht miteinander vergleichen Beim Vitalismus geht es um eine besondere Lebenskraft als Prinzip alles Lebendigen.

      Der Strukturalismus bildet eine Verallgemeinerungsform, die alles Besondere nach seiner Funktion in einem bzw. für ein System beurteilt. Es könnte z.B. auch einen strukturalistischen Vitalismus geben, der das Leben als ein Systemzusammenhang versteht, im Sinne von ökologischen Nischen. Auch da kommt es dann nicht mehr auf das Besondere und Individuelle an, sondern auf dessen Funktion für ein Ökosystem.

      Solchem Systemdenken gegenüber bin ich eher mißtrauisch eingestellt.

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    4. Diese schiefe Bemerkung führt wohl etwas ins Abseits, ich wollte/sollte mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen - dass der Strukturalismus hier eher "positivistisch" belegt wird, war mir schon bekannt - ich bin als Jugendlicher schon von Chaos- oder Systemtheorie infiziert worden.. und habe von daher vielleicht die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass man in der Theorie komplexer Systeme, über Autopoiesis oder ähnliches vielleicht dem, was ein lebendiges System ausmacht so auf die Pelle rücken kann, ohne dass man es reduktionistisch sezieren muss. (Vielleicht eine Art deskriptiver, phänomenologischer Strukturalismus?)

      * ~ *

      Das mit den Zombies war auch nicht so despektierlich gemeint. Ich bin da ja nur ein Laie und nach dem ich "Neuroscience and Philosophy: Brain, Mind, and Language" (auch mit Bennett und Hacker) las, hatte ich erstmal genug von diesem Kram, Bennett und Hacker hatten auch ihren Anteil daran. Sie haben hier einige gute Kritikpunkte und Schwächen ihrer Position herausgearbeitet, zu denen ich nicht durchgedrungen wäre. (Ergänzen könnte ich noch, dass es auch partielle Überdeckungen von den Positionen Bennett/Hacker und den von ihnen kritisierten Searle und Dennett gibt - so knöpft sich Dennett auch in extenso das cartesianische Theater und Homunkulusfehlschlüsse vor und Searles Kategorienfehler erinnert schon ein wenig an den mereologischen Fehlschluss..)

      ~

      Mir ist es immer noch nicht klar, ich kann mich nicht entscheiden: sind die Qualia nur ein Scheinproblem oder ist es eines der härtesten, philosophischen Probleme (ähnlich mit dem Leib-Seele-Problem)?

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  5. Das Leben "entwirft" die Qualia und der gesuchte Vitalismus ist das Leben selber. Der Mensch ist eine Leistung des Lebens und nicht unsere eigene.

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  6. Eine neue Idee: Die Qualia ist die Wahrnehmung selber und nicht erst die individuellen Zusätze dazu.

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    1. Das sehe ich ähnlich. Ich würde es aber noch mal etwas anderes ausdrücken: Die Qualia bilden einen Aspekt der Wahrnehmung, wobei ‚Aspekt‘ ‚Perspektive‘ meint, nämlich die Perspektive auf das Subjekt.

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  7. zu phorkyas – 16.05.2015: Tatsächlich ist bei mir der Strukturalismus ‚positivistisch‘ belegt. von Anfang war der Strukturalismus mit der Mathematik verknüpft. Er bildet den Versuch, die Geisteswissenschaften zu vernaturwissenschaftlichen. Das Systemdenken spielt dabei eine große Rolle, ähnlich wie heutzutage Big Data: beides läuft darauf hinaus, das Individuum verschwinden zu lassen. Was Sie über komplexe Systeme und Autopoiesis schreiben ist alles richtig. Aber es erinnert verdammt an Themen wie künstliche Intelligenz, und dabei besteht die Ingenieurshoffnung, wenn man das alles mal durchschaut hat, irgendwie bei der Entstehung künstlichen Lebens initiierend und steuernd dabei sein zu können.

    Übrigens denke ich tatsächlich auch in Richtung auf einen „deskriptiven, phänomenologischen Strukturalismus“, den ich als „phänomenale Strukturanalyse“ bezeichne
    (Vgl. http://erkenntnisethik.blogspot.com/2014/03/frank-engster-das-geld-als-ma-mittel_24.html)

    Das ist unausweichlich, denn alles, was mit Texten zu tun hat, besteht zu einem wesentlichen Teil aus Strukturen. Und Texte sind nunmal der Hauptgegenstand des Geisteswissenschaftlers.

    Ihre Ergänzungen zu Dennett und Searle sind interessant. Ich habe ersteren noch gar nicht und von Searl nur seine sprechakttheoretischen Bücher gelesen. Seine Bücher zum Bewußtsein habe ich noch nicht gelesen.

    Ich neige dazu, daß Qualia-Problem für ein Scheinproblem zu halten. Entweder sind sie die härteste Rätselnuß, die man sich denken kann oder einfach nur schlichte subjektive Gewißheiten. Ich neige zum letzteren.

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