„...letztlich ist der Mensch, als Folge oder Krönung der Evolution, nur in der Totalität der Erde begreifbar.“ (Leroi-Gourhan, Hand und Wort, S.22)

Samstag, 14. April 2012

Respekt für Günter Grass!

Ich habe Respekt vor Grass:
schon als Schüler las ich Katz und Maus,
bemalte das Titelbild mit Kugelschreiber,
formulierte ‚Grass‘ um in ‚Grasshalm‘!

Ich habe Respekt vor Grass:
stets bewunderte ich seine politische Standfestigkeit
und daß er sich das Denken nicht verbieten ließ.
In allem, was er sagte und schrieb,
blieb er wiedererkennbar!

Ich habe Respekt vor Grass:
ob Schmidt oder Kohl oder Schröder regierte –
Grass sagte, was sie nicht hören wollten.
Wo andere sich still und heimlich verabschiedeten –
Grass blieb!

Sogar als die Mauer fiel
und man wieder ein Volk sein wollte,
blieb Grass sich treu
und ich ihm ...
auf Hiddensee im Hauptmann-Haus signierte er mir einen Gedichtband,
den ich dann verschenkte.

Ich habe Respekt vor Grass:
Schon immer wußte ich um seine ‚Vergangenheit‘,
weil er selbst nicht müde wurde,
sich ihrer zu schämen.
Als die Medien über ihn herfielen
– im Alter, weil er sie angeblich verschwiegen hatte –
war ich überrascht!
Wer ihm zugehört hatte,
wer ihn gelesen hatte,
hatte es längst schon wissen können;
aber dazu braucht man Respekt ...

Keinen Respekt habe ich:
vor den ‚jungen‘, aalglatten Moderatoren
und Kommentatoren,
ihrer überheblichen Vergangenheitslosigkeit,
denen die Gewißheit aus den gepuderten Poren schwitzt,
das bessere Deutschland
und dessen Mehrheit
zu repräsentieren.
Das bessere Deutschland – das bessere Volk,
Herr Außenminister?

Respekt!
Respekt für Grass!

PS: Diesen Post habe ich erstmals am 08.04.12 veröffentlicht, während ich an den Posts zu Kittler schrieb. Ich hatte gerade eine Tagesthemensendung mit Interview und Kommentar zu Grass gesehen. Während ich weiter an den Posts zu Kittler arbeitete, habe ich meinen äußerlich in Gedichtform verfaßten Post immer wieder nach vorne gestellt, daß er so einerseits den Besuchern meines Blogs als Erstes in den Blick gerät und um andererseits die Reihe meiner Posts zu Kittler nicht zu unterbrechen. – Warum habe ich ihn überhaupt geschrieben? Einerseits aus den im Post genannten Gründen, aus Respekt vor Grass und darüberhinaus aber auch vor allen Menschen, die glauben, etwas nicht verschweigen zu dürfen, etwas sagen zu müssen, das sich warum auch immer nicht schickt oder von wem auch immer verboten wird. Daß ‚wir‘ Deutschen hier allerdings eine besondere historische ‚Last‘ mit uns tragen, soll keineswegs geleugnet werden. Aber wo immer sich jemand erkennbar an dieser besonderen Verantwortung abarbeitet – wie eben Günter Grass –, werde ich sein Recht zur politischen Unkorrektheit jederzeit verteidigen, – im Unterschied zu jenen, die nur leichtfertig und gewissenlos daherreden, wider besseren Wissens oder einfach aus Dummheit. – Was mich aber ganz besonders geärgert hat, ist die Heuchelei der Kommentatoren und der Politiker. Alle spielen sich jetzt wiedermal als Experten in Sachen Nah-Ost-Konflikt auf und sprechen allen anderen, insbesondere Grass, dieses Expertentum ab. Daraus können wir zweierlei lernen. Der dämlichste Politiker, der nicht in der Lage ist, die Titel der Dossiers seiner Fachreferenten auch nur nachzubuchstabieren, hat das Recht, sich zu den brisanten Themen der Weltpolitik zu äußern, – aber eben nicht Günther Grass! Und zweitens dürfen alle Laien und Amateure zwar jederzeit brav wählen gehen, aber sie müssen ansonsten bitte schön den Mund halten. Denn wo die Experten in Politik und Wissenschaft sprechen, hat unser aller Verstand zu schweigen.

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